Was verbirgt sich hinter dem Begriff Basel II?

Unter Basel II bzw. dem Basel II Akkord wird die Neue Basler Eigenkapitalvereinbarung für Banken verstanden, die seit Mitte 1999 vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht erarbeitet wird. Diesem Ausschuss gehören die Zentralbanken und Bankenaufsichtsinstanzen der wichtigsten Industrieländer, darunter Deutschland an. Die vom Ausschuss erarbeiteten Ergebnisse sind zwar lediglich strategische Richtlinien für die beteiligten Länder, die EU hat aber bereits angekündigt, die neuen Vorschriften in EU-Recht umzusetzen und damit für alle Kreditinstitute in der Europäischen Union verbindlich zu regeln. Nach den Vorstellung des Ausschusses soll die neue Richtlinie Ende 2006 in Kraft treten. Aber bereits jetzt müssen die Banken ihre Kreditvergabepraxis den zukünftigen Bedingungen anpassen, weshalb bereits einige Kreditnehmer von einer restriktiveren Haltung der Banken zu berichten wissen.

Inhalt der Eigenkapitalübereinkunft

Ziel der Vorlage ist primär, einen Rahmen für die Kreditrisikomessung bei Kreditinstituten zu schaffen und bestimmte Mindestkapitalanforderungen für sie festzulegen. Die regulatorischen Kapitalvorschriften sollen risikoadäquater gestaltet werden und Anreize zur Verbesserung des bankeninternen Risikomanagements gegeben werden.

Der Vorläufer von Basel II, der heute gültige Basel I Akkord von 1988, schreibt den Banken vor, ihre gewährten Kredite mit pauschal 8% ihres Eigenkapitals zu unterlegen und zwar unabhängig von der Bonität des jeweiligen Schuldners. Anders ausgedrückt können Banken maximal das 12,5 fache ihres Eigenkapitals als Kredite vergeben.

Im Gegensatz dazu werden unter Basel II die Eigenkapitalanforderungen bei den Banken von der Bonität des einzelnen Kunden abhängig gemacht: Bei guter Bonität eines Schuldners muss die Bank in Zukunft weniger Eigenkapital für einen gewährten Kredit hinterlegen, im umgekehrten Fall entsprechend mehr.

Da eine Bank nur über begrenztes Eigenkapital verfügt und folglich nicht beliebig viel Kredite vergeben kann, wird sie zum einen versuchen, ihre Kredite vorzugsweise an bonitätsstarke Kunden zu vergeben und zum anderen, den Unternehmen mit schlechter Bonität einen höheren Zins abzuverlangen, um für das stärker gebundene Eigenkapital zu kompensieren.

Die Rolle des Ratings

Als Maßstab für die Bonität eines Kunden dient dabei das so genannte Rating.
Ein Rating - im Prinzip ein Bonitätsurteil - dient in erster Linie dazu, Investoren wie Gläubigern Transparenz und Vergleichbarkeit hinsichtlich des Risikos einer Finanzanlage zu verschaffen.

Basel II verpflichtet die Banken, vor jeder einzelnen Kreditvergabe eine Risikobeurteilung des Kunden vorzunehmen. Dabei können Sie auf den sog. Standard Ansatz oder einen auf Internen Ratings basierenden Ansatz (IRB) zurückgreifen. Im ersten Fall verwenden die Banken externe Ratings von Agenturen wie Moody’s oder Standard & Poor’s und die diversen, in die Berechnung der Eigenkapitalunterlegung einfließenden Parameter sind exogen von der Aufsichtsbehörde vorgegeben. Aufgrund des geringen Aufwands werden insbesondere kleine Kreditinstitute dieses Verfahren wählen.

Viel mehr Flexibilität bei höherem Aufwand bieten hingegen die IRB-Ansätze. Die Bank erstellt in diesem Fall die Bonitätsbeurteilung (das Rating) des Schuldners selbst und kann bei Verwendung des sog. Fortgeschrittenen IRB-Ansatzes auch sämtliche Parameter intern ermitteln. Trotz des großen damit verbundenen Aufwands werden gerade Großbanken, Sparkassen und Volksbanken den IRB-Ansatz wählen, da sie gegenüber dem Standard Ansatz für die strengere und präzisere Risikomessung gezielt belohnt werden: tendenziell muss weniger Eigenkapital für die gewährten Kredite hinterlegt werden, d.h. es können bei gleichem Eigenkapital mehr Kredite vergeben werden.

Um eine (internationale) Vergleichbarkeit zu gewährleisten, müssen die Banken bei ihren internen Ratings gewisse Mindestanforderungen beachten und werden dabei von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht laufend überwacht. Ein Kreditnehmer muss künftig damit rechnen, u.a. nach folgenden Kriterien beurteilt zu werden:

  • Fähigkeit, Erträge zu erwirtschaften, um Kredite zurückzuzahlen und anderen Finanzbedarf zu decken
  • Kapitalstruktur und Wahrscheinlichkeit der Zahlungsunfähigkeit
  • Finanzielle Flexibilität (Zugang zu Fremd-/Eigenkapital-Märkten)
  • Grad der Fremdfinanzierung
  • Qualität der Einkünfte: aus Kerngeschäft oder aus einmaligen Quellen
  • Position innerhalb der Industrie und zukünftige Aussichten (Strategie, Produkte, Personalkonzept, Vertretungs- u. Nachfolgeregelung etc.)
  • Qualität/Verfügbarkeit von Informationen über den Kreditnehmer (z.B. testierte Jahresabschlüsse).
  • Stärken und Fähigkeiten des Managements, Grad der Risikobereitschaft

Dem Kreditnehmer wird also in Zukunft eine deutlich höhere Transparenz gegenüber seiner Bank abverlangt. Dabei spielt die Qualität und rechtzeitige Verfügbarkeit der geforderten Informationen eine entscheidende Rolle.

Fazit und Ausblick

Die neuen aus Basel II erwachsenden Anforderungen bergen für die Unternehmen in Deutschland, insbesondere den Mittelstand, Risiken und Chancen zugleich. Ein Rating, sei es extern durch eine Agentur oder intern durch die Bank erstellt, ist zukünftig zwingende Voraussetzung für eine Kreditvergabe.

Unternehmen, die den Anforderungen der Banken hinsichtlich Transparenz und Stimmigkeit der Unternehmensstrategie nicht genügen, müssen mit einer Erhöhung ihrer Kapitalkosten, sprich höheren Zinsbelastungen rechnen. Diejenigen Unternehmen hingegen, die sich transparent präsentieren und den Kreditinstituten proaktiv relevante Informationen zukommen lassen, werden tendenziell auf niedrigere Kapitalkosten hoffen dürfen.

Um für die Veränderungen am Kapitalmarkt gerüstet zu sein müssen sich Unternehmen zukunftssicher positionieren - eine plausible Unternehmensstrategie und gute Produkte gehören ebenso dazu wie eine frühzeitige Nachfolgeregelung - und den Aus- bzw. Aufbau eines aussagefähigen Controllings vorantreiben.

Wir von BBR helfen Ihnen gerne, diese kommenden Aufgaben zu schultern.

 

Weitere Informationen zu Basel II erhalten Sie z.B. bei der Deutschen Bundesbank
unter http://www.bundesbank.de/bank/bank_basel.php oder bei der Bank für internationalen Zahlungsausgleich unter http://www.bis.org/bcbs/index.htm.

(Hinweis: Für den Inhalt der verlinkten Seite ist BBR nicht verantwortlich)


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“Unter Basel II werden die Eigenkapitalanforderungen
bei den Banken von der Bonität des einzelnen Kunden abhängig gemacht”

“Ein Rating dient in erster
Linie dazu, Investoren wie Gläubigern Transparenz und Vergleichbarkeit hinsichtlich des Risikos einer Finanzanlage zu verschaffen.”

“Dem Kreditnehmer wird in Zukunft eine deutlich höhere Transparenz gegenüber seiner Bank abverlangt. Dabei spielt die Qualität und rechtzeitige Verfügbarkeit der geforderten Informationen eine entscheidende Rolle.”

“Die neuen aus Basel II erwachsenden Anforderungen bergen für die Unternehmen in Deutschland Risiken und Chancen zugleich.”


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Infos zu Basel II

Stand:
17 Juli, 2008

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